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Logo Franz-Josef Holzenkamp MdB

7.07.2011: Präimplantationsdiagnostik

Sehr verehrter Herr Präsident,

sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen,

bis zum Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 6. Juli 2010 herrschte vorwiegend die Meinung, dass die Präimplantationsdiagnosik (PID) verboten sei.

Mit dem Urteil hat der BGH die PID zwar nur bei Vorliegen schwerwiegender genetischer Fälle für zulässig erklärt, aber nicht zuletzt diese unklare Umgrenzung hat zu erheblicher Rechtsunsicherheit geführt. Deshalb beschäftigt sich der Deutsche Bundestag jetzt mit einer gesetzliche Neureglung.

Die Entscheidung über die Zulassung oder das Verbot der PID, die uns als Mitglieder des Deutschen Bundestages abverlangt wird, betrifft den Kern der menschlichen Existenz.

Ich anerkenne ausdrücklich, dass Paare mit der individuellen Erfahrung, insbesondere einer eigenen Erkrankung oder von Tot- oder Fehlgeburten einen hohen Leidensdruck verspüren.

Gleichzeitig müssen wir aber auch die gesellschaftspolitischen Auswirkungen im Blick haben. Eine Zulassung der PID, die eine gesetzlich legitimierte Auswahl von Embryonen vor Beginn der Schwangerschaft zuließe, würde einen gesellschaftlichen und ethischen Paradigmenwechsel darstellen.

Sicher können in einem frühen Stadium menschlicher Existenz schwere Erkrankungen diagnostiziert werden. Aber diese Methode ist für den Fall eines positiven Befundes auf die Vernichtung von Leben ausgerichtet.

Nach meinem christlichen Werteverständnis beginnt das individuelle und schützenswerte menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle.

Wer über das Pro und Contra dieser Entscheidung nachdenkt, kann nur beim Rang des menschlichen Lebens ansetzen: Für mich als gläubiger Christ hat der Schutz des menschlichen Lebens eine überragende Bedeutung. Auch in unserer Verfassung steht geschrieben: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Niemand hat das Recht, über anderes menschliches Leben zu Verfügen.

Deshalb kann ich nicht zulassen, dass schutzlose Embryonen im Reagenzglas in gute und schlechte, in gesunde und kranke, in lebenswerte und lebensunwerte unterteilt werden.

Ich habe größtes Verständnis für die Nöte von Eltern, die sich ein gesundes Kind wegen genetischer Veranlagungen auf natürlichem Weg nicht bekommen können. Eine PID ist für die betroffenen Familien mit erheblichen gesundheitlichen Risiken und seelischen Belastungen verbunden, da die Paare auf natürliche Weise fortpflanzungsfähig sind und sich aber für die PID einer künstlichen Befruchtung unterziehen müssen. Dabei hat das Verfahren nicht mal in 20 Prozent der Fälle Erfolg.

Den Familien und Paaren muss mit Rat und Tat zur Seite gestanden werden. Die Hilfe kann meines Erachtens aber kann nicht darin bestehen, dass man ungeborenes Leben selektiert. Es geht um die Qualität der Entscheidung, überhaupt menschliches Leben zu verwerfen.

Die PID zuzulassen ist für mich ein Dammbruch. Erst sind schwere Erbkrankheiten zulässig und in der nahen Zukunft ist dann womöglich die Selektion nach Geschlecht und Augenfarbe möglich. Deshalb kann ich den anderen Gruppenanträgen, die eine PID in engen Grenzen erlauben wollen, nicht zustimmen. Die Grenzen werden aufgeweicht werden.

In Großbritannien ist zum Beispiel die PID bei Trägern des Brustkrebsgens erlaubt. Die Wahrscheinlichkeit einer späteren Erkrankung liegt bei 50 bis 85 Prozent. Die Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs liegt bei 40 Prozent. Ist es ethisch vertretbar, menschliches Leben zu verwerfen, wenn die Wahrscheinlichkeit eines möglichen tödlichen Verlaufs einer möglichen Brustkrebserkrankung eines Embryos in seinen Leben bei 20 bis 34 Prozent liegt? Das ist eine Prognose. Sie gibt keine Sicherheit und sie garantiert schon gar kein Leben ohne ernsthafte oder lebensgefährliche Erkrankung. Das Leben birgt Risiko. Und das mit jedem Atemzug.

Seit dem Urteil des Bundesgerichtshofes um Juni 2010 habe ich bis heute viele Zuschriften und Gespräche auch mit direkt Betroffenen geführt.

Viele der genetisch bedingten Erkrankungen lassen sich heute bereits gut behandeln, so dass die Betroffenen nicht mit ihrem Schicksal hadern. Häufig haben die Betroffenen eine ganz normale oder nur wenig geringere Lebenserwartung als gesunde Menschen. Viele Betroffene, die mit einer Behinderung oder Erkrankung leben, die mittels PID aussortiert werden soll, sowie deren Eltern empfinden dieses Verfahren als Diskriminierung und Stigmatisierung.

Wir dürfen nicht entscheiden, welches Leben sich entwickeln darf und welches nicht. Es gibt kein Recht auf ein gesundes Kind.

Die Entscheidung zur PID fällt keinem leicht.

Ich würde mir jedoch wünschen, dass die Mehrheit meiner Kollegen im Deutschen Bundestag für ein Verbot stimmt - aus Respekt vor dem Leben. Dafür möchte ich werben.

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